Die Auflösung zu den Mythen 1 - 4 :
Solar Plexus | Hebeltechniken | Messerangriffe | Kampfsportler
In meinem vorherigen Post habe ich Dir die 7 großen Mythen der Selbstverteidigung aufgezeigt.
Nun möchte ich in dieser E-Mail tiefer auf die einzelnen Punkte eingehen und Dir erklären, wie Du es besser machen kannst:

Hier die Mythen 1 - 4:
Mythos 1: Schlag zum Solar Plexus, um den Gegner auszuschalten.
Der Solar Plexus ist ein Nervengeflecht knapp unterhalb des Brustbeins. Dieser Punkt ist nicht leicht, wirkungsvoll zu treffen. In den meisten Fällen verkrampft das Zwerchfell und behindert die Atmung, als dass wirklich eine Überreizung des Nervengeflechtes stattfindet.
Das Problem ist aber ein anderes: Verfügt der Gegner über eine gut trainierte Bauchmuskulatur oder hat sogar eine dickere Jacke an, ist dieses Ziel absolut ineffektiv. Insgesamt bedeutet das: Es gibt viele attraktivere Ziele in der Selbstverteidigung, als den Solar Plexus.
Stell Dir vor, Du hast nur einen Schuss frei - würdest Du wirklich ein Ziel nehmen, von dem Du nicht zu 100 % überzeugt bist?
Mythos 2: Hebeltechniken in der Selbstverteidigung kontrollieren den Angreifer.
Hebeltechniken sollen die Gelenke des Trainingspartners kontrollieren und ihn fixieren.
Genau: Ich schrieb Trainingspartner. Dein Trainingspartner lässt das auch gerne mit sich geschehen. In einem Ernstfall ist es aber nahezu unmöglich, eine effektive Hebeltechnik einzusetzen.
Eine Ausnahme bildet sicher das Nutzen der Hebelprinzipien, um die Gelenke des Angreifers zu brechen. Das bedarf aber sehr viel Übung.
In diesem Video erkläre ich Dir genau, warum Hebel in der Selbstverteidigung nicht funktionieren:
Mythos 3: Du kannst Messerangriffe effektiv abwehren.
Dieser Mythos kann sehr schnell ein tödlicher Mythos sein!
Das Leben ist kein Hollywoodfilm. Während im Film und leider auch in vielen Kampfkunstschulen die Abwehr von Messerangriffen mit Hebel- und Blocktechniken trainiert wird, sag ich Dir ganz ehrlich:
Jede Berührung mit der Klinge bringt schwerste bis hin zu tödlichen Verletzungen.
Die beste Variante ist die sofortige Flucht.
Gelingt das nicht, solltest Du über ein hoch realistisches Repertoire verfügen, um möglichst unverletzt aus einem Messerangriff zu kommen.
Und das hat rein gar nichts mit Hebel- oder Blocktechniken zu tun und muss sehr dynamisch und realistisch trainiert werden.
Mythos 4: Ein guter Kampfsportler kann sich automatisch gut verteidigen.
?Du möchtest Dich selbst verteidigen? Dann mach doch irgendeinen Kampfsport??
Das habe ich schon so viele Male gehört - ist aber falsch!
Warum ist das so?
Ein Kampfsport ist ein "Sport" und unterliegt damit verschiedenen Regeln.
Verstehe mich nicht falsch, ich bin ein großer Fan von Kampfsport. Ich weiß aber, dass eine reale Selbstverteidigungssituation ganz andere Anfordernisse stellt.
Realistische Selbstverteidigung ist viel subtiler und direkter.
Die Regeln einer Straßenkampfsituation sind nicht die Regeln, die in einem Ring herrschen. Keine Gewichtsklassen, kein Ringrichter. Es gibt keine Techniken, die verboten sind und es garantiert Dir auch niemand, dass Dein Angreifer nicht plötzlich 3 Freunde aus dem Hut zaubert.
In der Taktischen Deeskalation teilst Du eine solche Situation nicht ohne Grund in die drei Phasen "Prävention, Bedrohung und Angriff" auf.
Es ist wichtig,
sich über diese Mythen im Klaren zu sein. Denn nur zu leicht kann ein solcher Irrglaube Deine Gesundheit und sogar Dein Leben gefährden.
Der erste Schritt zur Verbesserung ist die Bewusstmachung.
Die Auflösung zu den Mythen 5 - 7? Die findest Du hier an anderer Stelle ;)
Liebe Grüße
Sifu Markus